JOC DUBLU / DOPPELSPIEL          30.08 - 11.09  2019

 

Zwei GEDOK-Künstlerinnen, Liliana Geiss und Agnes Pschorn, präsentieren ihre Werke zusammen in einer Ausstellung mit dem Titel „ Doppelspiel“ im Rahmen eines gemeinsamen Projektes mit UAP-Timisoara in der international bekannten und traditionsreichen Galerie Helios in Timisoara .
Die von Adriana Carcu kuratierte Ausstellung stieß auf großes Interesse beim Publikum und der Presse.  In mehreren Zeitungen wie "Ziua de vest" sind ausführliche Artikel erschienen. (s. Link)
Professor Gabriel Kelemen, Kunsthistoriker: "Die Künstlerinnen beleuchten in ihren Werken das Zeitgeschehen, bereichern damit die Malerei um eine Dimension.
Die großen, gestisch gemalten, überwiegend schwarz-weißen Bilder von Agnes Pschorn zum Thema Krieg und Flucht wirken auf den Betrachter wie ein Seelenschrei. 
Als Gegenpol dazu erscheinen die abstrahierten Landschaften von Liliana Geiss als ein Zufluchtsort, ein Raum der Euphorie und des Friedens."

 

Aktuelle Meldung vom 25.08.19                                 www.klassik-heute.de

Auszeichnung für Komponistin Barbara Heller

Die Darmstädter Komponistin und Pianistin Barbara Heller erhält in diesem Jahr den Darmstädter Musikpreis, der mit 5000 Euro dotiert und mit einem Preisträgerkonzert verbunden ist. Das Stipendium zum Musikpreis in Höhe von 2000 Euro erhält der junge Posaunist Ferdinand Hellberger. Die Musikpreisverleihung mit öffentlichem Konzert findet am Dienstag, 19. November 2019, um 19.00 Uhr, in der Centralstation (Saal 3. OG) statt. Die Laudatio auf die Musikpreisträgerin hält der Verleger Peter Mischung, Wolke Verlag, books on music, Bad Homburg.

Die Jury würdigt Barbara Heller für ihr Lebenswerk, das sich durch eine große künstlerische Offenheit, Vernetzung und nachhaltiges Engagement in vielfältigen Bereichen des Musiklebens wie Komposition, Musikpädagogik, Verbandstätigkeit, Musikforschung und -edition auszeichnet. 

Barbara Heller, 1936 in Ludwigsburg geboren, lebt seit 1963 als freiberufliche Komponistin und Pianistin in Darmstadt und im Odenwald. Schwerpunkte ihres Schaffens sind Kammermusik und Klavierliteratur, ganz besonders für den Unterricht. In ihrem umfangreichen Werkkatalog gibt es aber auch Filmmusiken, Tonbandkompositionen, Konzepte für Kollektivkompositionen sowie Klanginstallationen, die sie teilweise in Kooperation mit anderen Künstlern wie Nikolaus Heyduck oder Christopher Dell realisiert hat.

 

 

Portrait Dorothea Paschen in der RNZ vom 4.8.2019

Das Heidelberger Porträt

Immer neue Ideen zur Kultur in der Stadt

Dorothea Paschen vereint ungewöhnliche Voraussetzungen und Talente - Unternehmerfamilie, Schauspielerin, Grünen-Politikerin

Von Birgit Sommer

Heidelberg. Dorothea Paschen verkörpert eine ganz besondere Mischung von einer Heidelbergerin. Sie stammt aus einer Unternehmerfamilie und genoss eine anthroposophische Erziehung. Sie saß unter den ersten Grünen im Heidelberger Gemeinderat. Sie war in jungen Jahren Friedensaktivistin und kann heute noch kräftig auf den Tisch hauen, wenn ihr etwas in der Kommunalpolitik nicht gefällt. Sie klebte Anti-Atomkraft-Aufkleber in die Wohnung und auf ihr Fahrrad, während ihr Ehemann am Kernforschungszentrum Karlsruhe das Institut für Technikfolgenabschätzung leitete.

Dorothea Paschen arbeitete als Schauspielerin und Regisseurin und zog dabei drei Kinder groß. Sie managt heute als Vorsitzende die GEDOK, die Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer in Heidelberg. Sie golft und segelt. Und produziert immer neue Ideen in Sachen Kultur. Was für eine Frau!

Gerade 80 Jahre alt geworden, hat Dorothea Paschen nichts von ihrem Tatendrang eingebüßt. Mal die Tochter besuchen, die bei Rom lebt, oder den Sohn, HNO-Arzt in Berlin, mal mit den Freundinnen aus der Volksschule in Garmisch-Partenkirchen die Berge besteigen ("Ich habe Bergweh!"), mal in der Gesellschafterversammlung der Pforzheimer Firma Witzenmann Entscheidungen treffen. Das passt alles in ihren Terminkalender - genauso wie ihre Enkel.

Paschens Urgroßvater Heinrich Witzenmann hatte den beweglichen Metallschlauch erfunden und 1886 die Witzenmann GmbH in Pforzheim gegründet. Flexible Metallelemente stellt die Firma heute noch her und beschäftigt dazu 3000 Mitarbeiter im Hauptbetrieb und in 23 Tochterfirmen weltweit. Dorothea Paschen kennt das Geschäft, ihr Mann Herbert ist Aufsichtsratsvorsitzender, Sohn Philip, der Wirtschaftsingenieur, in der Geschäftsführung.

Eine spannende Unternehmerfamilie des 20. Jahrhunderts. Herbert Witzenmann, Dorotheas Vater, war nicht nur Firmenchef. Er war Schriftsteller, er war Anthroposoph und wollte ursprünglich Pianist werden. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg musste er im zerstörten Pforzheim den Betrieb neu aufbauen. Weil auch das Haus der Witzenmanns in Trümmern lag, zog die junge Familie mit Sohn und drei Töchtern nach Garmisch-Partenkirchen, in das Ferienhaus der Großeltern.

Dort war, erinnert sich Dorothea Paschen, mit den vielen frisch angekommenen Flüchtlingen eine Menge los. Ihre Mutter, die österreichische Lyrikerin und Mezzosopranistin Maria Wozak, machte aus dem Esszimmer einen Salon. "Eine äußerst ärmliche Kulturgemeinde", lacht Paschen, "wo sich Leute trafen, die heimatlos waren."

Paschen wurde also in ein ganz außergewöhnliches Elternhaus hineingeboren. Sie zehrt davon und arbeitet sich manchmal auch daran ab. Daran, dass die Mutter der ältesten Tochter die Begabung als Sängerin absprach. Dabei hat "Doro", wie ihre Freunde sie nennen, immer wahnsinnig gerne gesungen, hat bei "Grünen"-Veranstaltungen etwa Brecht-Songs interpretiert, und hat das Lob eines Kritikers auch schriftlich vorliegen: "Glockenreine Stimme."

Als ihre Eltern sie nach Erlangen der Mittleren Reife in ein Heidelberger Mädchenpensionat steckten, hatte die 17-Jährige nach dem freien Leben in Garmisch und Pforzheim keine Lust auf diese Enge. Aus Trotz kämpfte sie darum, die private Schauspielschule Haller besuchen zu dürfen. Eine private Sprachschule schloss sich an - und da wirkte als Lehrer "ein hübscher junger VWL-Student", der bereits Diplom-Dolmetscher war. 1964 heiratete sie diesen Herbert Paschen.

Doch zuerst lebte Dorothea Paschen ihr Schauspielerleben, am Nationaltheater in Mannheim, bei den Freilichtspielen in Schwäbisch Hall, an den Komödienhäusern in Stuttgart und Düsseldorf, in Darmstadt und Karlsruhe. Ihre Lieblingsrolle? Die so unglücklich verliebte Christine in Arthur Schnitzlers "Liebelei".

Mit drei kleinen Kindern schaffte sie später noch Gastauftritte, auch am Heidelberger Theater und Orchester. Die Kinder und deren Au-Pair-Mädchen kamen manchmal mittags in die Theaterkantine. Oder die Mutter hatte morgens um 10 Uhr schon vorgekocht. "Frau Paschen, Sie sehen so verkocht aus", verspottete sie damals der Chef des Zimmertheaters, Gillis van Rappard.

Das Leben als Schauspieler fanden die Kinder dann wohl alle nicht so erstrebenswert, keiner eiferte der Künstlerin nach, die in den achtziger Jahren auch Regie führte ("Da habe ich total viel gelernt."). Nicht einmal der jüngste Sohn Philipp. "Er wäre sehr begabt", findet Dorothea Paschen.

Dann kam die Politik. Dorothea Paschen war damals "total friedensbewegt", und sich um die Umwelt zu kümmern, lag sowieso nahe bei ihrer anthroposophischen Erziehung. 1984 wurde sie Stadträtin der Grün-Alternativen Liste. Eigentlich kam sie ja aus einem ganz anderen Umfeld. "Die Kämpfe in der Fraktionssitzung - ich dachte, um Gottes willen, wo bin ich hier gelandet." Der Neuling musste lernen, bei Seilschaften mitzuziehen.

Für zehn Jahre zog Dorothea Paschen dann mit ihrem Mann nach Berlin. Das Büro für Technikfolgenabschätzung, das er leitete, wurde beim Bundestag angesiedelt. Ab 2009 saß sie noch einmal für fünf Jahre im Heidelberger Gemeinderat. "Mit großer Freude", wie sie bekennt. Dreimal wurde sie zur Fraktionsvorsitzenden gewählt, bereitete sich akribisch auf die Sitzungen vor. Sonntags kamen die dicken Pakete mit den Unterlagen. Mehrmals in der Woche war sie auf Terminen. Da Herbert Paschen nach den Worten seiner Frau ein "Workaholic" ist, ging das ganz gut. "Nur manchmal sagte mein Mann, es wäre ganz schön, wenn wir mal wieder was zusammen machen würden", erinnert sich Doro Paschen.

Sie spricht von Freundschaften, die über Parteigrenzen hinweg entstanden, von Vorurteilen, die über den Haufen geworfen wurden, von Alt-OB Zundel, der die Grünen wegen ihrer guten Gemeinderatsarbeit geschätzt, aber nicht gemocht habe. "Es hat Freude gemacht", ist ihr Fazit. Als Paschen ihr Stadtratsmandat 2014 aufgab, gewannen die Künstlerinnen der "GEDOK" sie als Vorsitzende. Mit einer Galerie in der Weststadt haben sie jetzt Räume für ihre Aktivitäten. Dorothea Paschen ist dabei. Ihre Liebe zur Groteske etwa lebte sie mit einem Dada-Abend aus. Im Herbst sind Veranstaltungen zum Fontane-Jahr geplant.

Auch ein privater künstlerischer Plan existiert: Zusammen mit ihren Geschwistern will sie der von den Eltern verfassten Lyrik einen neuen Auftritt verschaffen. "En famille", sozusagen. Das ist ganz einfach: Bruder Wolfgang Witzenmann ist Pianist, Flötist und Komponist, die Schwester aus New York malt, die zweite Schwester singt Chansons. Und Dorothea Paschen kann die Texte exzellent darstellen.

 

Interview mit Dorothea Paschen

im SWR Rundfunk 2019

https://www.swr.de/swr4/bw/programm/dorothea-paschen/-/id=258008/did=24570624/nid=258008/4cod2m/index.html

Elsbeth Lang mit einem ihrer bemalten Würfel in der Heidelberger GEDOK-Galerie. Foto: MR

RNZ 11.07.2019, 06:00 Uhr
Elsbeth Lang ist offen für jede Art der Assoziation

Elsbeth Lang stellt noch bis 20. Juli in der Heidelberger GEDOK-Galerie am Römerkreis aus - Die Zeichnung ist die Basis ihrer Malerei

 

 

 

Von Matthias Roth

Sie stammt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Eberbach und begann früh mit dem Zeichnen. "Es gab da nicht viel zu tun, und so zeichnete ich", sagt Elsbeth Lang im Gespräch. Das Zeichnen ist heute noch die Basis ihrer künstlerischen Arbeit. Derzeit stellt sie in der GEDOK-Galerie in der Heidelberger Weststadt aus.

Vom kleinen, ja winzigen Format (etwa Streichholzschachteln) bis zum großen Wandbild in Acryl, am Beginn steht meist eine Linie: "Ich kritzle oft vor mich hin, ohne dass ich vorher wüsste, was nachher dabei herauskommt." Dazu benutzt sie Tintenroller oder Tusche. Da sie sich sehr mit Aktmalerei und Porträts auseinandergesetzt hat, entstehen häufig figürliche Strukturen, Menschenmassen oder Menschenketten. Beim genaueren Hinsehen erkennt man plötzlich Gesichter, Füße oder einen gehobenen Arm, etwa bei den fünf schmalen Hochformaten, die zusammen eine Gruppe bilden.

Aber auch bei einer scheinbar völlig freien Arbeit wie "Das wahre Ich" (2019), bestehend aus zwei schmalen Hochformaten, glaubt man, bei längerem Hinsehen Figurenfragmente ausmachen zu können, sieht Augen, Brüste oder Hinterteile. Löst man sich von dem Bild, verschwinden die Eindrücke wieder.

Ein Spiel mit der Wahrnehmung, das Elsbeth Lang, die heute in Schriesheim lebt, auch bei Großformaten durchaus experimentell nutzt. Etwa in dem Diptychon "Monta" (2019), das an einen französischen Küstenort am Atlantik erinnert. Da ist das Grau der Felsen, das Blau des Meers, und man sieht eine Brücke oder Treppe. Darunter leuchten kräftige Farben hervor, die nun an die Ränder gedrängt erscheinen, übermalt und beinah versteckt. Doch über allem tanzt eine geschwungene, kraftvolle Linie, die letztlich fast alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Elsbeth Lang macht keine exakten Pläne, wenn sie ein Bild beginnt. Sie lässt intuitiv die Hand machen, was die Hand will; meist ist es die linke. "Ich war Linkshänderin, bin dann aber umerzogen worden. Heute kann ich beides, links und rechts zeichnen, aber links etwas unbeholfener als mit der anderen Hand. Das gefällt mir, das macht die Linie lebendig." Ihr Lehrer Hans Köhler habe stets gesagt: "Lebendig ist wichtiger als richtig", und das beherzigt sie bis heute. Auch von Pjotr Skroban und Patrick Marques erhielt sie Unterricht. Seit 1980 widmet sie sich intensiv der Kunst.

Wie sie darauf kam, Würfel zu bemalen? Sie sind etwa so groß wie ein Zauberwürfel oder ein moderner Lautsprecher und sind an fünf Seiten bemalt, wenn sie an der Wand hängen, und an sechs Seiten, wenn sie auf einem filigranen Stab wie eine Skulptur aufzustellen sind. "Ich weiß nicht mehr: Sie waren einfach da und warteten darauf, bemalt zu werden", antwortet sie. Ein Schreiner habe ihr geholfen, welche herzustellen, die sie mit Leinwand bespannen konnte.

Ihr Zeichnen und Malen geht hier in die Dreidimensionalität, ohne die Fläche zu verlassen. Die Linien gehen um die Ecken herum und verbinden die einzelnen Quadrate miteinander. Zahlreiche solcher Würfel liegen gestapelt im großen Schaufenster der Galerie: Sie fordern den Betrachter heraus, um die Ecke zu denken.

Elsbeth Langs Titel sind oft lapidar. Ihre Bilder mit Menschenketten oder Menschentrauben nennt sie einfach "Leute, Leute". Dass man dabei an die Flüchtlinge denken könnte, die 2015 in langen Märschen nach Bayern kamen, stört sie nicht, aber beim Zeichnen habe sie nicht daran gedacht. Sie mag ihren Bildern keine "Botschaft" mitgeben, sondern sie offen lassen für jede Art der Assoziation. Immer höre sie Musik beim Malen, Klassik oder Jazz. Das sei ihre Inspirationsquelle. Alles andere entstehe von selbst. Gehört nicht Mut dazu, das Seeleninnere einfach so aufs Papier strömen zu lassen? "O ja, viel!", sagt sie. "Manchmal komme ich mir bei einer Ausstellung vor, als wäre ich nackt."

Info: Elsbeth Lang in der GEDOK-Galerie Heidelberg, Römerstraße 22, bis 22. Juli.

 

 

 Rhein-Neckar-Zeitung                              Von Heide Seele

 

Dichtung und Malerei verschmelzen

Birgit Sommer aus Mosbach zeigt Arbeiten zu Gedichten Rainer Maria Rilkes in der GEDOK-Galerie Heidelberg

 

Die Bildende Kunst mit Werken der Literatur in Einklang zu bringen, ist kein leichtes Unterfangen. Birgit Sommer ging das Risiko ein und konzipierte eine Ausstellung mit der Bezeichnung „Das ist mein Fenster ...“ Der Galeriebesucher sieht sich dabei mit einer Auswahl ihrer Grafiken, Zeichnungen und Objekte konfrontiert, die inspiriert wurden von Gedichten Rainer Maria Rilkes. An ihm scheiden sich die Geister seit Langem. Wo manch ein nüchterner Betrachter noch heute einen leicht in den Kitsch abgleitenden Autor wittert, schätzt der sensible Literaturfreund den feinfühlig empfindsamen Lyriker hoch ein.

So hat zum Beispiel sein von Sanftheit geprägtes Liebes-Lied „Wie soll ich meine Seele halten, dass sie nicht an deine rührt...“ schon viele Leser beeindruckt und zur weiteren Lektüre motiviert: Birgit Sommer, die Künstlerin aus Mosbach, beweist mit ihrer enigmatisch reduzierten Darstellung zu diesem berühmten Poem, wie gut sich die Malerei mit der Literatur kombinieren lässt und wie sensibel sie die Emotionen des Dichters nachzuvollziehen versteht. Dabei beschert sie einige neue Erkenntnisse – sei es nun bezüglich der Natur oder des Menschen.

Natürlich ist es beim Rundgang zu empfehlen, zuerst das jeweilige Gedicht zu lesen, bevor man die dazugehörende Darstellung anschaut. Die so entstehende Spannung animiert den Galeriegast zum Vergleich, zu Nachdenklichkeit und Konzentration, denn die feinen, oft rasterartigen Details der Objekte verdienen große Aufmerksamkeit.

Sie setzen Empfindungen in Kunstwerke um, und der Besucher sieht sich dazu aufgefordert, diese Transformation nachzuvollziehen. Die Dichtung und die Malerei scheinen zu einer Einheit zu verschmelzen, ein Phänomen, das manch ein Künstler vergeblich anstrebte. Da ist zum Beispiel das Bild zum Poem „Die Liebende“: In quadratischem Format glüht ein tiefes Rot – allerdings hinter einem gefängnisartig strukturierten Rechteck. Letzteres könnte auf die mit den tiefen Gefühlen möglicherweise einhergehende Einengung des Egos verweisen.

Von ganz anderer Art sind die „Engellieder“, bei denen Tropfen in prachtvollen Goldtönen herabfallen, und es ist zu erkennen, wie fasziniert die Malerin von der Magie der Farbe ist. Ihre Hommage an den einst berühmten, heute aber vergessenen Hans Carossa zeichnet sich dagegen durch eine unübersehbare Ambivalenz aus. Die in diesem Bild wie gestrickt erscheinenden Muster erwecken den Eindruck einer fast antiquierten Häuslichkeit.

Zur Vernissage hatte Dorothea Paschen begrüßt, die erste Vorsitzenden der Heidelberger GEDOK, bevor die Kunsthistorikerin Camilla Bonath-Voelkel auf profunde Weise in die Bilderschau einführte und damit manchem Anwesenden den Zugang zu den Exponaten erleichtert haben dürfte. Elsa Becke rezitierte dann einige Rilke-Gedichte, von denen die Künstlerin inspiriert wurde, darunter das erwähnte „Liebes-Lied“.

Info: Birgit Sommer, „Das ist mein Fenster“, in der GEDOK-Galerie Heidelberg Römerstraße 22, bis 15. Juni.

Geöffnet jeweils Mi. und Fr. von 17 bis 20 Uhr, Sa. von 11 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung.

 

Birgit Sommers Hommage „Rainer Maria Rilke“ wird in der Heidelberger GEDOK-Galerie in der Römerstraße gezeigt. Die Ausstellung gehört zum Jubiläumsprogramm der Künstlerinnen-Vereinigung. Rechts ein Porträt des Schriftstellers Rainer Maria Rilke. Foto: F. Hentschel

90 Jahre Heidelberger GEDOK

"Eine kulturbildende Institution"

Die Heidelberger GEDOK beging den 90. Jahrestag ihrer Gründung mit Festakt und Konzert in der Stadtbücherei

https://www.rnz.de/kultur-tipps/kultur-regional_artikel,-90-jahre-heidelberger-gedok-eine-kulturbildende-institution-_arid,441138.html

20.05.2019, 06:00 Uhr Rhein-Neckar-Zeitung

Oberbürgermeister Eckart Würzner und GEDOK-Vorsitzende Dorothea Paschen in der Stadtbücherei. Im Hintergrund Arbeiten der Ausstellung "(k)eine runde Sache", die noch bis 23. Mai zu sehen ist. Foto: Alex

 

 

 

Von Matthias Roth

Heidelberg. Der Sektempfang zum Festakt "90 Jahre Heidelberger GEDOK" zog sich hin. Nicht nur, weil die zahlreichen Besucher viel miteinander zu bereden hatten, sondern auch, weil einige Festredner sich verspäteten: Als Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner als erster prominenter Redner schließlich eintraf, fasste die Vorsitzende der Heidelberger "Gemeinschaft für Künstlerinnen und Kunstförderer", Dorothea Paschen, den Entschluss, nach gut einer Stunde zumindest mit dem musikalischen Programm zu beginnen. Eine weise Tat, die dann auch das Festivalensemble der GEDOK mit einem Satz aus Mozarts Streichquintett KV 589 beherzt umsetzte.

Würzner nannte es denn auch "fantastisch, dass es 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts ein solches Netzwerk" unter Frauen gibt, aber er fand es schade, dass man die Österreicherinnen mittlerweile "verloren" habe. Denn ursprünglich war die Vereinigung 1926 von der Dichter-Witwe Ida Dehmel für "deutsche und österreichische Künstlerinnen" gegründet worden. Die Musikerin Stephanie Pellissier griff die Idee wenige Jahre später in Heidelberg auf. Die rüstige Klavierlehrerin starb 1982 und ist manchem noch in lebhafter Erinnerung.

Der OB erinnerte sich daran, dass ihm seinerzeit der Erfolgsroman "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" so besonders gut gefallen habe, da er die ganz andere Wahrnehmung von Frauen deutlich mache. Über die feinen Unterschiede des Schnees, so Würzner, "können eben nur Frauen schreiben". Das hatte doch überraschenden Neuigkeitswert mit Bezug auf den dänischen Autor Peter Høeg.

Die Vorsitzende des GEDOK-Bundesverbandes, Dr. Ursula Toyka-Fuong, hob hervor, dass die Widrigkeiten, gegen die Künstlerinnen immer zu kämpfen hatten, keineswegs obsolet wären. Besonders Frauen, die nach der Kinder-Pause wieder zurückkehren wollten in ihren alten Beruf, stünden vor großen Schwierigkeiten. Bis heute seien nur etwa halb so viele Frauen im Kunstbetrieb tätig wie Männer. Auch bei öffentlichen Ankäufen der Museen oder Aufführungen in Konzerten mache die Kunst von Frauen nur etwa 10 % aus. Daher sei das interdisziplinäre Zusammenwirken in Heidelberg besonders hervorzuheben: "Die Heidelberger GEDOK ist eine kulturbildende Institution", so Toyka-Fuong.

Ministerin Theresia Bauer schließlich, die später eintraf, lobte vor allem die ehrenamtliche Arbeit, die hinter der GEDOK stehe und sagte jede weitere Unterstützung zu. "Die Arbeit ist sehr wichtig für eine offene, demokratische Gesellschaft", so die Ministerin. Gerade in Zeiten, möchte man hinzufügen, in der namhafte Künstler wie Sebastian Henning Frauen "jegliche künstlerische Begabung" öffentlich absprechen und sich dabei auf Philosophen wie Frank Lisson beziehen, der die feste Meinung vertritt: "Kunst ist stets männlich". ("Die Zeit" vom 16. Mai 2019). Die GEDOK sollte diesem offenen Rechtsruck auch in der Kunstszene standhaft und selbstbewusst entgegentreten.

Das sich anschließende Musikprogramm begann allerdings mit Mozart und endete mit Schumann - Robert, nicht Clara. Zählt man die aufgeführten elf (teils mehrsätzigen) Stücke des Programms durch, so stammten sechs von Männern. Was soll man davon halten? Nadia Boulanger, Germaine Tailleferre, Katerina Pinosova, Olga Magidenko und Barbara Heller neben Lutoslawsi, Adolf Kern, Ulli Götte und den bereits Genannten: Ein Schlag auch ins Gesicht jener Komponistinnen, die alljährlich mit dem "Heidelberger Künstlerinnenpreis" geehrt werden. Es sind inzwischen 27 an der Zahl, darunter die namhaftesten der Gegenwart. Immerhin konnte die Uraufführung von drei kleinen Stücken für Blockflöten und Klavier von Katerina Pinosova realisiert werden, die eigens für diese Veranstaltung geschrieben wurden.

Im Foyer der Stadtbücherei konnte man unterdessen noch die Ausstellung der Netzwerkerinnen "(k)eine runde Sache" bewundern, zu der die Malerinnen Lisa Berger, Christel Fahrig-Holm, Katja Hess, Hyseung Hyun, Susanne Jung, Petra Lindenmeyer und Philine Maurus jeweils einige Stücke beitrugen. Unter den Malerinnen jedenfalls scheint der Zusammenhalt intensiver gepflegt zu werden als unter den Musikerinnen.

Koordiniert die Arbeit von rund 100 Künstlerinnen: Dorothea Paschen, Vorsitzende der Heidelberger GEDOK, in der Galerie der Künstlerinnenvereinigung an der Römerstraße vor einem großformatigen Gemälde von Inock Kim-Seifert
Koordiniert die Arbeit von rund 100 Künstlerinnen: Dorothea Paschen, Vorsitzende der Heidelberger GEDOK, in der Galerie der Künstlerinnenvereinigung an der Römerstraße vor einem großformatigen Gemälde von Inock Kim-Seifert

RNZ vom 12.4.2019      90 Jahre Gedok Heidelberg

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"Man kann nie genug tun für die Kulturförderung"

Die GEDOK Heidelberg wurde vor 90 Jahren gegründet - Gespräch mit der Vorsitzenden Dorothea Paschen über das Jubiläum

Von Volker Oesterreich

Heidelberg. 1926 von der Kunstförderin Ida Dehmel gegründet, gilt die GEDOK als ältestes und größtes Netzwerk von Künstlerinnen der Sparten Bildende Kunst, Angewandte Kunst, Musik, Literatur und Darstellende Kunst. Die fünf Buchstaben der Organisation stehen für die "Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlervereine aller Kunstgattungen". Europaweit hat sie rund 3000 Mitglieder, ca. 100 davon gehören zu der vor 90 Jahren gegründeten GEDOK Heidelberg. Den Anstoß zum Regionalverband gab die Musikerin Stephanie Pellissier. Das Jubiläum der GEDOK Heidelberg wird mit einer Reihe von Veranstaltungen gewürdigt. Vorsitzende des Regionalverbandes ist die Schauspielerin und ehemalige Kommunalpolitikerin Dorothea Paschen. Im Gespräch mit der RNZ skizziert sie die Arbeitsschwerpunkte.

Frau Paschen, können Sie erkennen, ob ein Kunstwerk von einer Frau oder von einem Mann stammt? Oder anders gefragt: Gibt es spezifisch weibliche Schreib-, Mal- oder Spielweisen?

Bei der Bildenden Kunst kann ich das nicht feststellen, und ich denke, das geht allen so. Bei der Literatur ist es vielleicht etwas anders, wobei Romane, Gedichte, Erzählungen oder Stücke aus so vielen Perspektiven und mit so unterschiedlichen Intentionen geschrieben werden, dass auch in diesem Bereich nicht immer auf den ersten Blick klar ist, ob die Texte von Frauen oder Männern geschrieben wurden.

HINTERGRUND

Ausstellungen von Schwetzingen bis nach Bad Rappenau geplant
Als nächste Ausstellung zeigt die GEDOK Heidelberg vom 13. April bis zum 10. Mai das Schmuckprojekt "Louvrette" von Silke Prottung in Zusammenarbeit mit 20 KünstlerInnen aus aller Welt. Liliana Geiss (zweite GEDOK -Vorsitzende) und Yvonne Weber sprechen morgen bei der Vernissage um 19 Uhr in

Die MeToo-Debatte hat große Teile der Kulturszene erfasst. Spüren Sie das auch in der GEDOKHeidelberg?
Eher nicht. Wir sind natürlich offen für alle Debatten. Und wenn wir von einem Missbrauchsfall im direkten Umkreis hören würden, wären wir sofort solidarisch. Aber bisher ist uns kein solcher Fall bekannt, zum Glück!

Was tut die GEDOKfür ihre Mitglieder? Und umgekehrt: Was tun die Mitglieder für die GEDOK?
Wir sind eine gemeinnützige Organisation und verstehen uns als "Netzwerkerinnen". Unter diesem Motto steht auch das Jubiläumsprogramm. Es geht darum, dass alle Sparten zueinanderfinden und voneinander profitieren, etwa wenn gemeinsam Performances, Aufführungen, musikalische Darbietungen oder Ausstellungen erarbeitet werden. Wir helfen uns auch gegenseitig beim Hängen der Bilder oder bei der Aufsicht während der Öffnungszeiten unserer Galerie an der Römerstraße. Wir haben ja drei Mal pro Woche geöffnet.

Unter welchen Bedingungen kann man/frau Mitglied werden?
Man muss einen Aufnahmeantrag stellen. In der Bildenden Kunst werden pro Jahr ein bis drei Künstlerinnen aufgenommen. Derzeit stehen aber etwa 20 auf der Warteliste. Eine Jury entscheidet über die Aufnahme, und wir achten darauf, dass auch externe Experten beteiligt werden. Entscheidend ist, wie gearbeitet wird, ob schon ausgestellt wurde, ob Kritiken vorliegen. Bei Schriftstellerinnen fragen wir nach bereits erschienenen Texten. Bei Musikerinnen ist beispielsweise eine CD hilfreich.

Gibt es ein Kuratorium für die Auswahl von Lesungen oder Exponaten?
Ja, auch darüber wird beraten. Von den Neumitgliedern gibt es zunächst Gruppenausstellungen, später wird über Einzelausstellungen gesprochen. Einzelausstellungen laufen bei uns sechs Wochen.

Besonderheit der GEDOK Heidelberg ist die eigene Galerie an der Römerstraße 22. Diese Möglichkeit hat nicht jeder Regionalverband - oder?
Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir die Galerie mieten können, bezahlt wird die Miete von Mitgliedsbeiträgen. Vorher hatte hier die Künstlerin Marina Volkova ihr Atelier, und als sie den Raum nicht mehr nutzen wollte, konnten wir den Vermieter von unserem Galerie-Konzept überzeugen. Wir haben alles selbst renoviert, alles auf ehrenamtlicher Basis.

Tut Heidelberg genug für die zeitgenössische Kunst?
Man kann ja nie genug tun für die Kulturförderung. Heidelberg hat Kulturrichtlinien entwickelt, und das funktioniert ziemlich gut. Natürlich wäre es schön, wenn es städtische Räume in deutlich größerem Rahmen für die Präsentation zeitgenössischer Kunst gäbe. Für unsere Veranstaltungen gibt uns die Stadt einen jährlichen Zuschuss.

Hat sich die Situation für GEDOK-Schriftstellerinnen durch die Aufnahme der Literaturstadt Heidelberg ins Unesco-Netzwerk kreativer Metropolen verbessert?
Netzwerkarbeit ist immer sinnvoll: innerhalb der GEDOK, aber natürlich auch auf der internationalen Ebene der Literaturstädte. Auf diese Weise haben Schriftstellerinnen die Möglichkeit, besser bekannt zu werden.

Und hier vor Ort?
Wir sind froh, dass wir den Hilde-Domin-Saal der Stadtbücherei zwei Mal pro Jahr für größere Veranstaltungen nutzen können, sind aber
weiter auf der Suche nach Kooperationsmöglichkeiten.

Info: www.gedok-heidelberg.de

 

 

Internationale Wochen gegen Rassismus

Dienstag, den 19.3.2019 19 Uhr, GEDOK Galerie

„Fremd bin ich eingezogen“

Lesung mit Adriana Carcu, Gerhild Michel, Sonja Viola Senghaus, Marion Tauschwitz

Musikalische Begleitung Ute Schleich, Flöte

 

 

Schon immer gab es Fremde in den Völkern und schon immer fühlten sich Völker von ihnen bedroht.

Im 19. Jahrhundert war es die zunehmende Industrialisierung und der Fortschritt, der die Menschen aus ihrer vertrauten Umgebung verdrängte.

 Die Romantiker suchten nach Möglichkeiten, dieser Welt im Geiste zu entfliehen. Die Freiheit der schöpferischen Phantasie und die subjektive Gefühlswelt des Individuums wurden zum Ausgangspunkt ihrer Dichtung. Als Beleg zitierte Gerhild Michel Gedichte von Eichendorff,  Brentano und Heine, alle mit dem Titel „In der Fremde“.

Die in Rumänien geborene Autorin Adriana Carcu las ein Fragment aus der von Shakespeare vor 500 Jahren geschriebenen Rede gegen die Fremdenfeindlichkeit und eine eigene Geschichte über einen Fremden, der einen Monat in ihrem Haus gelebt hatte. Sie definierte das Ereignis mit den Worten: „Es ist ein beruhigendes Gefühl, einen Abend mit Leuten zu verbringen, die wissen, dass wir fast überall Fremde sind und nur Freundlichkeit die Welt retten kann.”

Sonja Viola Senghaus las eigene Gedichte aus ihren Lyrikbänden „Licht-Flügel-Schatten und Sprachruder“. Aus „Ungefähr ohne Tod im Schatten der Bäume“ von Christoph Meckel und „wo ich jetzt bin“ von Helga M. Novak stellte sie deren Texte über ihre Situation vor, in einem geteilten Land zu leben.

Das Musikstück „Raindance“ mit Blockflöte und Stimme von der Komponisten Nicola Termöhlen unterstrich hier die Zerrissenheit dieser Gefühle.

      

Den Abend beendete Marion Tauschwitz. Sie spürte alten Fragen nach:        Brauchen wir Fremde? Und überlässt König Stephan von Ungarn die Antwort: „Ein Land mit nur einer Sprache und einer Sitte ist schwach und gebrechlich. Darum ehre die Fremden und hole sie ins Land.“

Der Bogen zum Hier und Jetzt mit Texten über Flucht, Traumata und Ankommen war schnell geschlagen. Das Phänomen ist nicht neu, doch verlangt stetigen Einsatz und unsere Worte des Erinnerns. Ute Schleich setzte mit sorgfältig ausgewählten Musikstücken musikalische Kontrapunkte und schaffte gelungene Übergänge zu den Textbeiträgen der Literatinnen. Wieder ein rundum geglückter eindrucksvoller Abend.

   G.M.

 

 

 
12.03.2019, 06:00 Uhr
Foto :   Inock Kim-Seifert vor ihrem Großformat (Ausschnitt) "Details der Welt und Kulturgeschichte", das um 2012 entstand. Foto: Matthias Roth
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Von Matthias Roth
Heidelberg. In der 5. Klasse lernte sie Klavierspielen, in der 6. mit Tusche zu zeichnen. Damit galt sie im Süd-Korea der 1970er Jahren als privilegiert: Denn das Land war nach dem Korea-Krieg bitterarm, "ärmer als der Norden", so Inock Kim-Seifert im Gespräch, der ihre Heimatstadt Chun Cheon in der Nähe von Seoul mit politischen Flugblättern attackierte. Später machte sie sich auf nach Sydney, um Grafik zu studieren, und sie verbrachte prägende Jahre in China und Malaysia. Das Schicksal führte sie bei einer Bergwanderung mit einem Deutschen zusammen, mit dem sie zwei Jahre später nach Deutschland ging: Heute lebt die Künstlerin in Hirschberg an der Bergstraße.
Ihre Bilder signiert sie kurz mit "Inock", wie jetzt in der Heidelberger Gedok-Galerie am Römerkreis zu sehen ist. Der Name bezieht sich auf den Jade-Stein. Fotografie und Malerei sind Inock Kim-Seiferts Hauptbetätigungsfelder, das eine bedingt zum Teil das andere.
"Freie Abstraktion mache ich eher zur Entspannung, in der Pause zwischen anderen Arbeiten", sagt sie ganz offen. An diesen "anderen Arbeiten" aber feilt sie sehr lange. Ihr Hauptwerk, ein Diptychon von insgesamt drei mal zwei Metern mit dem Titel "Details der Welt und Kulturgeschichte" entstand um das Jahr 2012. Es scheint eine Momentaufnahme, eine Collage aus tagesaktuellen Ereignissen - und doch ist es in der Zwischenzeit nicht unaktuell geworden. Eher - und leider! - im Gegenteil.
Die religiösen Konflikte haben noch zugenommen, die Gewalt ist fast zur Alltäglichkeit geworden: Im Zentrum des Bildes sieht man tanzende Derwische und buddhistische Mönche sowie einen Schamanen, dahinter eine "Demonstration" jemenitischer Frauen, die für das Recht eintreten, ihre Töchter schon unter 17 Jahren verheiraten, das heißt: verkaufen zu dürfen. Links sitzen Lady Gaga und eine Bettlerin vor der "Bild"-Kampagne "Wir sind Papst", während ein Kind im Eiswasser "getauft" wird. Man findet auf diesem Großformat auch 9/11, eine fliegende Kuh und die untergehende Titanic (zwei Filmzitate) oder eine Frau, die von Polizisten misshandelt wird: Der Wahnsinn dieser Welt wird hier zur Ikonografie unserer Gegenwart. Dass Hieronymus Bosch Inock Kim-Seifert am meisten beeinflusste, wundert nicht.
Jahrgang 1961, ist Kim-Seifert eine eminent politische Künstlerin, das zeigen auch andere Arbeiten in dieser Ausstellung. Etwa die "Geschenke des Kaisers", eine Collage, die sich auf die Versklavung von Frauen für den japanischen Kaiser im Zweiten Weltkrieg ("Trostfrauen") bezieht. Ihre Bildmotive findet Kim-Seifert in Zeitungen und anderen Medien. Mit Acrylfarben bannt sie sie tagebuchartig auf die Leinwand, wo sie uns daran erinnern: Das sind wir, das ist unsere Welt und unsere Gegenwart. Wenn wir sie ändern wollen, müssen wir jetzt damit beginnen.
Info: Gedok-Galerie Heidelberg, Römerstraße 22, bis 6. April.
https://www.rnz.de/kultur-tipps/kultur-regional_artikel,-galerie-gedok-inock-kim-seifert-stellt-in-heidelberg-aus-_arid,426063.html?fbclid=IwAR1heP0nEm8GLG2WAql-dkSbZH9BAhcenvIpx0JjysOZJVuCRkuZD-Kk-Ms
Lieteratinnen der GEDOK beim internationalen Frauentag 8.3.2019
Lieteratinnen der GEDOK beim internationalen Frauentag 8.3.2019

Freitag, den 8. 3. 2019 18 Uhr GEDOK Galerie, Römerstraße

LESUNG Netzwerkerinnen „Literatur“

in der GEDOK Galerie stellen Literatinnen der GEDOK zum

Internationalen Weltfrauentag „starke Frauen“ vor

 

Vor einem großen interessierten Publikum las Adriana Carcu einen Text

über die von Angst- und Panikattacken heimgesuchten Virginia Woolf vor.

Gerhild Michel  erinnerte an Marie Luise Kaschnitz, deren stetes Hinter-

fragen und ihre Aufforderung „Tretet aus euren Schuhen/schlagt neue Wege ein“ überzeugte.

Dorothea Paschen stellte Texte ihrer Mutter, Maria Wozak, vor. In Prag

aufgewachsen musste die kultivierte und gebildete Frau nach Kriegsende

als Mutter von 4 Kindern in Westdeutschland ein neues Leben aufbauen.

Sonja Viola Senghaus berichtete von Sarah Kirsch, ihren Lebensstationen

und zitierte einige Gedichte, deren poetische Schreibweise oft mit einem Schuss Ironie versehen ins Schwarze trafen.

Und Marion Tauschwitz erzählte von dem tragischen Leben der jungen

Jüdin Selma Meerbaum, die mit 18 Jahren in einem Arbeitslager in

Transnistrien/Rumänien starb und ergreifende Gedichte über ihre Sehnsucht nach Leben schrieb.

Ein bunt gemischter, sehr anregender Abend vor einem dankbaren Publikum. G.M.

 

Rezension in

SEGEBERGER BRIEFE No. 98, Jahrgang XXXVI,
1/2019, Februar: Zeitschrift für Kreatives Schreiben:
Katharina Pinosova-Ruzickova
"three poems" - drei Solostücke für Blockflöte
(nach Gedichten von Sonja Viola Senghaus (Blick; Unentrinnbar; Vor dem Frühling),
Mieroprint Verlag EM 1270, Münster 2018

Zwei Silben "un". ... bar", dazwischen all das, was Leben verspräche, Stühle, Tisch, Bett, die verrück- antast-, benutzbar sein könnten: Immobiles Mobiliar. Dazu im Notenbild zwischen zwei Tönen alternierende Tremoli, aufgestautes Beben, sich dem Textvorbild anverwandelnd. Erst die Bassblockflöte, dann Tenor- und Altflöte in den Folgesätzen, eine Musik für Flöte allein, ohne Worte also - Musik spricht für sich; Gedichte haben ihren eigenen Klang. Sie korrespondieren, haben sich etwas zu sagen, aber ganz geht die Gleichung nicht auf. Zwischen zwei Tönen, im Satzmittelteil, windet sich in 7/8-, 5/8-Taken, in minimalen Erweiterungen fluktierend, eine quälende Floskel, wie um, umsonst, die Fesseln zu sprengen. Die Dreiteiligkeit des Satzes folgt nicht dem Strophenkonzept des Gedichts, sondern verzichtet auf die schlussfolgernde Coda, worin Lebensvergeblichkeit in der Unwiederbringlichkeit des "Ungelebten" kulminiert.
Im Eingangsstück zuvor wechseln sich Kurz- und Langzeilen von unregelmäßiger Takt- bzw. Silbenanzahl ab, lassen winterlich-nebelverhangene Hügellandschaft erahnen. Mit lautmalerischen Mitteln wendet sich die Musik den Unwegsamkeiten des Geländes zu: Sputato-Stolpersteine, oszillierende "Silberschleier", Glissandi stehen für "Absurzgefahr".
Das Abschlussstück Vor dem Frühling wählt kleinteilig-schmeichelnde Gesten ("streichelt mich mit Zauberhänden"), durchsetzt mit spitzen Staccato-Nadeln, "begrünte Eisblumen" über weite Strecken diatonisch-hoffnungsfroh.
Alle three poems sind Etappen einer" literarisch-musikalischen Winterreise", unter diesem Motto wurden die Stücke am 17.12.2017 in der GEDOK-Galerie in Heidelberg von Almut Werner Werner, Wiesloch, uraufgeführt.
Isa Rühling, (Blockflötistin,
Komponistin, Schriftstellerin)

RNZ 29.01.2019, 06:00 Uhr

 

Von Matthias Roth

Heidelberg. Sie muss täglich mit dem Hund raus. Einmal um den Block in der Heidelberger Weststadt. Dabei fiel der Künstlerin Vera Bonsen der Spieleladen unweit der Galerie auf, in der sie nun ausstellt: Hier gibt es zerbombte Häuser und Kriegsgerät im Spielzeugformat zu kaufen, während andere, quietschbunte Kinderunterhaltung auf dem Sperrmüll landet oder auf Flohmärkten feilgeboten wird.

In Erinnerung an die Novelle "The Turn of the Screw" von Henry James (Benjamin Britten hat sie zur Oper geformt), kreierte Bonsen für ihre jetzige Ausstellung in der Gedok Galerie am Heidelberger Römerkreis ein Objekt mit gefundenen Spielsachen, die sie mattschwarz einfärbte. "Bly", nach dem Landgut der James-Story genannt, verströmt eine gruselige Atmosphäre. Ein Horrorspielplatz, dessen Düsternis beängstigend wirkt: Der Froschkönig oder der blecherne Tanzkreisel haben ihre frühere Funktion eingebüßt und scheinen von Asche überzogen. Die Kindheitsträume sind ausgeträumt, alles Spielerische scheint ausgelöscht.

Gegenüber diesem apokalyptischen Szenario setzt das "Triptychon II" an der Wand dahinter einen eher spirituellen Akzent: Die drei Tafeln (insgesamt 125 x 185 cm) in tiefdunklem, mattem Blau unterscheiden sich nur im Detail. Hier wurden unzählige Einzelteile aus Modellbau-Pappe ausgeschnitten und miteinander verklebt, sodass eine in den Raum ragende Oberflächenstruktur entstand. Das intensive Blau leuchtet magisch vor dem hellen Hintergrund, gibt aber sein Geheimnis letztlich nicht preis.

Spielzeug begegnet einem auch an anderer Stelle in dieser Ausstellung. Die kleine Armee aus schwarz bemalten japanischen Winkekatzen, deren weiße Pfoten immer einen Nachbarn tangieren, winken nicht im gleichen Takt, aber wie bei György Ligetis "Poème Symphonique" für 100 Metronome bilden sich immer wieder Gruppen gleich schwingender Puppen, die ihren Vorderleuten kräftig auf den Kopf hauen. Die politische Aussage dieser Installation mit dem Titel "Freestyle Cruising", der sich nicht nur gegen den Gruppenzwang auf Kreuzfahrtschiffen richtet, ist offensichtlich.

Man merkt Vera Bonsens Arbeiten die frühere Beschäftigung mit dem Theater an: Die gelernte Bühnen- und Kostümbildnerin hatte Aufträge etwa in Hannover oder in Bregenz, bevor sie sich davon zurückzog: "Zu stressig", sagt sie im Gespräch. Seither lebt und arbeitet die Heidelbergerin in der Weststadt. Die Galerie Grewenig zeigte kürzlich ihre filigranen Papierarbeiten: Ähnliche "Papercuts" sind nun in Kästen auch in der Gedok Galerie zu sehen. Dabei sind verschieden farbige Papiere mit dem Skalpell in feine Streifen geschnitten, oft in mehreren Lagen übereinander. Spiegel verstärken die Raumwirkung.

Mehrere konstruktivistische Formstudien in Öl ergänzen die Einzelausstellung in der Römerstraße und zeigen die große Bandbreite dieser Künstlerin, die auch von Baumärkten fasziniert ist: "Das ist eine große Inspirationsquelle für mich", sagt sie. Die verschiedenen Materialien, Schauben und Winkel, überhaupt die handwerkliche Arbeit fesseln sie, die sich von Künstlern wie François Morellet oder Julius Popp beeinflusst sieht: Die naheliegenden Henry Matisse (Papier) oder Yves Klein (Farbe Blau) hingegen interessieren sie kaum. "Dann eher eine Stadt wie Venedig", wo sie auch studierte. "Diese morbide Vielschichtigkeit von Formen und Farben, das ist es."

RNZ 22.12.2018, 06:00 Uhr

 

Auch Lisa Berger beschäftigt sich mit der Buchstabenkunst: Ihre Papiertüten sind schon von außen durch das Schaufenster zu sehen. Foto: Philipp Rothe

Von Gutenberg bis zum QR-Code 

Künstlerinnen setzen sich mit dem Thema Druck auseinander

Von Elena Treiber

Heidelberg. Sieben Künstlerinnen setzen sich in der Ausstellung "550 Jahre Gutenberg - aktuelle Positionen" mit der Erfindung des Buchdrucks auseinander. Gutenbergs Druck mit beweglichen Lettern zählt zu den Meilensteinen der Kulturgeschichte, Reformation und Aufklärung wären ohne ihn nicht denkbar. Die in der Galerie der Gedok Heidelberg e.V. gezeigten Werke reichen von Malerei und Druck bis hin zu Raum- und Video-Installation.

Liliana Geiss malt in Smartphones versunkene Figuren, zwischen denen keine Kommunikation zustande kommt. Starke, in Flecken aufgetragene Farbkontraste lassen die Leinwand wie Handybildschirme flimmern. Der radierte Bilderzyklus von Christel Fahrig-Holm ist inspiriert von Goethes Gedichtband "Suleika". Figürliche und typografische Elemente mit Zitaten aus Goethes Gedichten werden verbunden, sodass Text und Bild miteinander korrespondieren.

Sabine Friebe-Minden zeigt Prägedrucke auf Büttenpapier. Binärcodes in Form von Nullen und Einsen werden kombiniert mit Tuschelandschaften und handgeschriebenen Textfragmenten. Diese zitieren Schriftsteller, die sich über den Buchdruck und dessen digitale Weiterentwicklung äußern. Lisa Bergers Installation besteht aus Papiertüten, die mit Metalllettern bedruckt sind. Wiederum wird Goethe zitiert - in kleinen Buchstaben: "was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen". Bewusste Rechtschreibfehler stellen das gedruckte Wort im Zeitalter von "Fake-News" in Frage.

Auch Anna Riebel-Mehnle interpretiert die beweglichen Lettern Gutenbergs um, indem sie das Alphabet in Schaumstoffbälle ritzt. Diese werden in Tusche getaucht und an eine Stoffwand oder auf Papier geworfen. Ihr Vorgehen hielt die Künstlerin filmisch fest. Als medienübergreifende Installation verdeutlicht sie so auch den Entstehungsprozess. Die Video-Installation von Brigitte Satori-Constantinescu thematisiert die Informationsgeschwindigkeit im digitalen Zeitalter. Der in verschiedene Sprachen übersetzte Bibeltext "Im Anfang war das Wort" bewegt sich über den Bildschirm. Er wird von Buchstaben, Schriftblöcken und Pixeln überlagert, die durch den Raum fliegen.

Birgit Sommer übersetzt auf ihren dreidimensionalen Papierobjekten Schlagzeilen in QR-Codes. Die Informationsdichte eines zweidimensionalen QR-Codes vervielfacht die Künstlerin in der Dreidimensionalität. Kritisch, aber auch zukunftsorientiert setzen sich die Künstlerinnen mit Gutenbergs Kommunikationsmedium und seiner digitalen Fortentwicklung auseinander.

Bei einer Lesung zitierten Dorothea Paschen und Helga Karola Wolf aus Daniel Kehlmanns Roman "Tyll", der unverkennbar auf Till Eulenspiegel verweist. Dessen Geschichte gelangte dank Gutenbergs Buchdruck bereits im 16. Jahrhundert zu weltweiter Bekanntheit.

Info: Die Ausstellung ist bis 5. Januar in der Galerie der Gedok, Römerstraße 22, zu sehen, mi (außer am 26. Dezember) und fr 17-20 Uhr, sa 11-14 Uhr.

 

Caroline Laengerer in ihrer Ausstellung in der Gedok-Galerie Heidelberg, Römerstraße 22 (Römerkreis Süd). Foto: MR.

 RNZ

 

Von Matthias Roth

Heidelberg. Sie kommt aus dem Allgäu und lernte als Kind bei ihrem Großvater den Umgang mit verschiedenen Materialien: Der Bildhauer, der Grab- und Denkmäler schuf, lud sie ein, sich auszuprobieren. Auch wenn der Opa von moderner Kunst nichts hielt, setzte er offenbar das Samenkorn, das bis heute wächst und gedeiht: Die Künstlerin Caroline Laengerer, ausgebildet in Mannheim und ihrer Geburtsstadt Isny, macht eine sehr materialhafte Kunst, die sich in Bildern genauso wie in Skulpturen ausdrückt und - ja, auch zwischen diesen beiden Polen des Zwei- und Dreidimensionalen sich bewegt.

Am liebsten möchte man alles, was Caroline Laengerer macht, anfassen. Bei einigen Arbeiten, etwa den großen, gebrannten "Wachsenden Ringen", lässt sie es sogar zu: Geformt aus Paperclay, einer Mischung aus Papier und Ton, die bei 1200°C gebrannt wird, sind die übermannshohen Stelen mit ihrer rauen Oberfläche Objekte, deren Außenhaut das Erdige, Verbrannte, Schlackige hervorhebt.

Der Effekt ist vulkanisch, archaisch, haptisch vom Äußeren her. Aber in der Form scheinen sie organisch, fast filigran und elegant-feingliedrig ausbalanciert. Und sie sind mit Kreisen übersäht, die auf den ersten Blick wie ein zufälliges Naturprodukt erscheinen, dem zersägten Inneren eines Steins ähnlich.

Doch die Kreise sind auf den Licht absorbierenden, körnigen Untergrund gemalt. Das Thema Kreise und Ringe zieht sich durch die ganze Ausstellung, die in der Heidelberger Gedok-Galerie zu sehen ist. Es wurde durch die Rilke-Verse "Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, / die sich über die Dinge ziehn" inspiriert.

Doch nicht nur diese Dichtung bewegte die Künstlerin: Es ist in ihren Bildern und bildähnlichen, mehrschichtigen Objekten auch immer die Natur selbst, die eine besondere Rolle beim Entstehen der Arbeiten spielt. Sie ist ein Ausgangspunkt, und Sand (den sie auch aus verschiedenen Ländern mitbringt und verarbeitet) als geophysikalisches Endprodukt feststofflicher Existenz ein bevorzugtes Material in dieser Ausstellung.

Info: Gedok-Galerie Heidelberg, Römerstraße 22, bis 24. November. Gespräch mit der Künstlerin am Sonntag, 11.11., 11 Uhr; Konzert am 13.11., 20 Uhr; Finissage am 24.11., 17 Uhr.

Elsa Becke, Ausstellung LandArt, RNZ 2018
Elsa Becke, Ausstellung LandArt, RNZ 2018
rnz oktober 2018
rnz oktober 2018

Bei der Göttinger Jahrestagung 2018 des PEN-Zentrums wurde unsere GEDOK Literaturbeirätin Marion Tauschwitz in das PEN-Zentrum Deutschland und damit gleichzeitig in den internationalen PEN-Club gewählt.

 Um PEN-Mitglied werden zu können, müssen sich mindestens zwei Bürgen für den Neuzugang einsetzen. Im Rahmen der jährlichen Jahrestagung des PEN wird man in Abwesenheit vorgeschlagen und berufen. Beurteilungskriterium für die Aufnahme in den PEN Club ist primär die publizistische Leistung, ausgewählte Bücher werden bei der Zuwahl präsentiert, das Gesamtwerk beurteilt. Darüber hinaus zählt das Engagement eines Autors, das zur Charta des internationalen PEN-Zentrums passen muss.

Die GEDOK Heidelberg gratuliert herzlich.  Foto: RNZ

Ausstellung Künstlerinnen Bücher Januar15/ Februar 2016

Göttinnen der Kunst
"Frauenliteratur" von Petra Lindenmeyer in der Galerie Treff.Punkt-Kunst. Foto: Lucie Landeck.

Göttinnen der Kunst

Literatur, Musik und bildende Kunst: Der Verein GEDOK unterstützt spartenübergreifende Kunst von Frauen in seiner ersten Heidelberger Galerie.

 

Sophia, die Göttin der Weisheit, wacht derzeit über die Galerie „Treff.Punkt-Kunst“ in der Römerstraße 22. Gestaltet wurde sie von Angelika Karoly, die auch Fotodrucke auf Stoff mit Texten kombiniert. Wie die anderen acht Künstlerinnen der Ausstellung „Künstlerinnen Bücher“ präsentiert sie das Zusammenspiel aus Literatur und bildender Kunst. Die Galerie gehört zum GEDOK e.V., einem Verband, der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer.

Dieser Verein wurde bereits 1926 von der deutschen Jüdin und Frauenrechtlerin Ida Dehmel gegründet. Sie selbst schrieb Gedichte . Inzwischen ist ihr Verein das älteste und größte Netzwerk von Künstlerinnen in verschiedenen Gattungen. Aktuell fördert der Verein Literatur, darstellende, angewandte und bildende Kunst, sowie Musik. Er versteht sich als Bindeglied zwischen Künstlerinnen und Öffentlichkeit mit dem Ziel, künstlerische Talente von Frauen unter der Berücksichtigung ihrer oft besonderen Lebens- und Arbeitssituation gezielt zu fördern. „Künstlerinnen haben es gegenüber Künstlern immer noch schwer, sich einen Namen in der Szene zu verschaffen. Durch die Präsenz der GEDOK in zahlreichen deutschen Städten und direkten Kontakt zu Förderern und Stiftern, kann der Weg einer Künstlerin erleichtert werden“, berichtet eine der ausstellenden Künstlerinnen und Mitglied der GEDOK.

Nach 87 Jahren in Heidelberg bezog der Verein im April letzten Jahres die erste eigene Galerie „Treff.Punkt-Kunst“. Da die Räumlichkeiten mit mehreren Ausstellungen erfolgreich angenommen wurden, wollte Claudia Nuovia, aktives Mitglied der GEDOK, ihr Vorhaben in die Hand nehmen, die einzelnen Gattungen in ihrem künstlerischen Schaffen zusammenzuführen. So entstand die Idee der „Künstlerinnen Bücher“. Nuovia selbst stellt dort ihre Künstlerbücher aus, in denen sie Konzerte simultan skizziert. Sie sieht sich als Werkzeug zur Darstellung der Klänge. Die Musik geht ihr ins Ohr und erscheint durch ihre Hand in einer neuen Form. Die entstandenen Werke lässt sie nach dem Konzert von den Musikern signieren. „Interessant dabei ist, dass die Musiker sich und ihr Instrument intuitiv in den Skizzen wiedererkennen“, erzählt die Künstlerin. Betrachter finden in den Büchern Musik für die Augen und Musiker,(P)Artituren, die gelesen werden können.

Für Nuovia war sofort klar, dass diese Ausstellung auch einen Workshop und Lesungen beinhalten sollten. Sie stellte anderen Künstlerinnen die Aufgabe, einfach etwas aus nur einem Blatt Papier zu kreieren.

Isolde Ott fand dabei Inspiration für ihr Objekt „Stein“. Sie faltete, schnitt und riss Papier verschiedener Arten und durchzog dieses Gebilde mit einem roten Band. Dieses beschriftete sie mit dem Gedicht „Stein“ der Poetin Gerhild Michel. Dieses Werk ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Künstlerinnen durch die Aufnahme anderer Gattungen neue Ebenen ihrer Kunst erreichen können und neue Kunstformen entstehen. „Bücher sind für mich faszinierende Objekte. Durch das Blättern in ihnen kann ich jeden Tag ein anderes Kunstwerk betrachten“, sagt Nuovia zum Abschied.

Von Maren Kaps

 

GEDOK e.V., größtes Künstlerinnen-Netzwerk Europas, feiert 90-jähriges Jubiläum

Pressemitteilung der GEDOK e.V.                                                                                                                          Bonn, den 07.03.2016

Die GEDOK e.V. ist mit mehr als 2.600 Mitgliedern in 23 Städten Deutschlands das älteste und europaweit größte Netzwerk der Künstlerinnen und Kunstförderer der Sparten Bildende Kunst, Angewandte Kunst / ArtDesign, Interdisziplinäre Kunst / Darstellende Kunst, Literatur und Musik.

Im Jahr 2016 feiert die GEDOK ihr 90-jähriges Jubiläum. Die Künstlerinnenvereinigung wurde 1926 in Hamburg von der deutschen Jüdin Ida Dehmel (1870–1942) als „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ gegründet. Dehmel führte einen glanzvollen Salon in der Hansestadt und setzte sich zugleich vehement für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Künstlerinnen ein. Mit Gründung der GEDOK entstand ein öffentliches Forum für Malerinnen wie Alma del Banco, Anita Rée, Charlotte Behrend-Corinth oder Clara Westhoff-Rilke. Käthe Kollwitz war ebenso prägendes Mitglied wie Ricarda Huch, Annette Kolb oder die Tänzerin Mary Wigman.

Der Verband versteht sich auch heute als Bindeglied zwischen Künstlerinnen und der Öffentlichkeit. Mit zahlreichen interdisziplinären Kunstprojekten, Ausstellungen, Lesungen und Konzerten bundesweit rückt die GEDOK das Werk und die Leistung ihrer Künstlerinnen erfolgreich ins Rampenlicht. Kunstpreise, wie der „Dr. Theobald Simon Preis“ für Bildende Kunst, der „FormART Klaus-Oschmann Preis“ für Angewandte Kunst und der „Ida Dehmel Literaturpreis“ ermöglichen die kontinuierliche Weiterführung des Fördergedankens der GEDOK, hoch qualifizierten Künstlerinnen – unabhängig von Alter und Lebensphase – den Weg in die Öffentlichkeit zu erleichtern und einem herausragenden Werk Anerkennung zu verschaffen.

Dank ihrer reichen Erfahrung in Sachen Kunstförderung und Networking ist die GEDOK auch ein Magnet für junge Künstlerinnen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen und von gemeinsamen Kunst-Projekten und Kunst-Publikationen profitieren.

Zu den bekannten GEDOK-Künstlerinnen gehört unter anderem die Multimedia-Künstlerin Prof. Ulrike Rosenbach, derzeitige Präsidentin der GEDOK. Von der GEDOK ausgezeichnete bekannte Literatinnen sind u.a. Herta Müller, Ulla Hahn und Hilde Domin.

Die GEDOK ist Mitglied im Deutschen Kunstrat und im Deutschen Musikrat und engagiert sich darüber hinaus in anderen nationalen und internationalen Kultureinrichtungen und politischen Gremien für ihre Mitglieder. Damit verfolgt der Verband das Ziel, die besondere Lebens- und Arbeitssituation von Künstlerinnen zu verbessern. Sie setzt sich ein für die gendergerechte Gestaltung aller Bereiche künstlerischen Schaffens.

Ein spannendes Jubiläumsprogramm erwartet Kunstinteressierte in den GEDOK Galerien und Präsentationsräumen der regionalen Gruppen in 23 deutschen Städten und anlässlich der GEDOK Mitgliederversammlung 2016 in Leipzig.

 

Weitere Informationen:

GESCHÄFTSSTELLE DES BUNDESVERBANDES GEDOK e. V.

Haus der Kultur

Weberstraße 59 A

53113 Bonn

Tel. 0228 - 261 87 79

Fax. 0228 - 261 99 14

www.gedok.de

 


Heidelberger Gedok präsentieren Ausstellung zum Thema "Summertime"

Positive Stimmung und fröhliche Farben bestimmen die Werke, die in der Galerie am Römerkreis zu sehen sind.

04.08.2015, 06:00 Uhr RNZ

Einen spontanen Eindruck hinterlassen Ulrike Götterts Stillleben, hier die Gouache "Senegal". Foto: Friederike Hentschel

 

 

Von Heide Seele

Helle Farben, freundliche Themen - und alles von Frauen gemalt! Das vorgegebene Thema "Summertime" hat die Mitglieder der Heidelberger Gedok sichtbar beflügelt. In der neuen Weststadt-Galerie am Römerkreis zeigen acht Künstlerinnen ihre positive Stimmung ausstrahlenden Arbeiten.

Ins Auge fallen die großen Feigen, die Christel Fahrig-Holm zuerst fotografiert hatte, bevor sie die Früchte sensibel auf Leinwand malte in grün schattiertem, fein strukturierendem Geäst. Natur holt sie dicht heran. Es sind keine exotischen Gefilde, die das neue Gedok-Mitglied hier zeigt. Die Früchte hängen in einem Heidelberger Garten. Agnes Pschorn dagegen bietet in ihrem Triptychon Figürliches mit einer Tänzerin, die kühne Sprünge und einen Spagat hinlegt und sich damit aus der Fläche entfernen zu wollen scheint. Die Szene verbreitet Frohsinn aufgrund ihrer Bewegtheit, aber auch wegen ihrer Farbigkeit.

Elsa Becke, die auch zahlreiche Fotos mit aussagekräftigen Ausschnitten mitbrachte, widmet sich dagegen der Natur, von der sie unmittelbar umgeben ist, und malt ihre Bilder in mehreren Schichten. Die Flusslandschaft, die sie sich künstlerisch anverwandelt, liegt buchstäblich vor ihrer Haustür. Nicht nur aus diesem Grund ist ihre Sinfonie in Grün von spürbarer Authentizität geprägt.

Ruth Groß lädt in ihrem "Traum", einem sensiblen Malfest in Blautönen (Öl auf Acryl), das Auge zum Schweifen über Wolken und Meer ein und differenziert die Farbe der Ferne nach Kräften aus. Damit animiert sie den Betrachter zum genauen Hinsehen. Ihre "Blue Mountains" verbreiten traumhafte Stimmung und erscheinen wie eine Verbeugung vor Caspar David Friedrich. Während Sabine Friebe-Minden in ihrem "Gen Süden" genannten, grün-weiß-gelben Acrylbild den zunächst fast idyllisch erscheinenden Farbeindruck durch eine unübersehbare Rasanz aufbricht, widmet sich Katja Hess zwei - wieder nach Fotos gemalten - Kindern am Strand. Sie verkörpern Sommersonnenfreude und hopsen fröhlich herum. Ulrike Göttert zeigt offenbar spontan entstandene Impressionen, zu denen sie 2011 auf einer Reise in den Senegal angeregt wurde: Die Gouachen auf Leinwand, von denen es eine ganze Mappe gibt, erscheinen wie Stilleben, sind pastos (auch mit viel Deckweiß) gemalt und verraten das Temperament ihrer Schöpferin.

Die letzte im Bunde ist Petra Lindenmeyer mit ihren Stoffobjekten, die in reicher Zahl auch in den Fenstern ausliegen. Korallen, Seetiere, Fadenschnecken, Blumentierchen und Flussperlmuscheln sind Beispiele ihrer originellen Objektkunst. Man kann ermessen, wie viel Zeitaufwand und handwerkliches Können für ihre Herstellung erforderlich sind. Im Alten Heidelberger Hallenbad läuft von ihr übrigens gerade eine Ausstellung über eine "bedrohte Art": die Badekappe.

Fi Info: Gedok-Ausstellung Heidelberg. Römerstraße 22, bis 4. September.

Ausstellung "Transparenz" in  der Gedok Galerie "Treff.Punkt-Kunst"

RNZ, 30.6. 2015 (Kaz)

Eröffnung der Gedok Galerie "Treff.Punkt-Kunst"

Ausstellung "Staubfänger" Oktober 2014

Ausstellung Face to Face August/September 2014

Ausstellung Konservierung Mai/Juni 2014

Ausstellung "Zu Flucht" Januar 2014



Jubiläumsflyer
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