Veranstaltung in der GEDOK-Galerie am 08.03.2017: Marion Tauschwitz liest über „Hilde Domins Gedichte und ihre Geschichte“

 

Von „Pissduellen“ und den „Schwierigkeiten, eine berufstätige Frau zu sein“

 

Gewagte Thesen waren am Internationalen Weltfrauentag in den Räumen der GEDOK zu hören. Zur aktuellen Ausstellung hatten die Künstlerinnen Christel Fahrig-Holm und Sabine Friebe Minden die Schriftstellerin Marion Tauschwitz eingeladen. Der Vortrag vor vollem Haus über Hilde Domin bildete eine wunderbare Ergänzung zum Verständnis der ausgestellten Werke: Lesen sich doch die Gedichte der Grande Dame der Nachkriegslyrik wie ein Palimpsest. Worte werden immer wieder neu über Erfahrungen gelegt, bis sie das individuelle Schicksal überschreiben, überwinden und zu Vehikeln werden, die Persönliches erfahrbar für jedermann machen. Hier schlug Tauschwitz den Bogen zu drei Künstlerinnen, die die Suche nach Heimat verbindet, nach dem Ort, der Zuflucht und Wärme gibt.

 

Im Fokus des Abends stand diesmal aber nicht die Sprachhandwerkerin Hilde Domin oder die Lebenspartnerin des Kunsthistorikers Erwin Walter Palm, sondern die Frau, die Sekretärin, die Managerin, die Beschützerin, die Geldbeschafferin, die Freundin, die Kämpferin und Verfechterin der Rechte der Frau. Unterhaltsam präsentierte Tauschwitz den Zuhörern Hilde Domins weniger bekannte Seiten wie ihre Thesen „Über die Schwierigkeiten, eine berufstätige Frau zu sein“. In rasantem Tempo zeichnete der Vortrag die entscheidenden Stationen der Lebensreise und Exilstationen nach – Italien, England, Santo Domingo, USA, Spanien - und damit auch die Geburtsstunde der Dichterin im Jahr 1951, als der Schmerz über den Tod der Mutter und das Zerbrechen der eigenen Liebesbeziehung das Schreiben „zum zweiten Leben“ machte. Es wurde spürbar, auf welch existentielle Weise das Schreiben der wortgewandten Lyrikerin mit den Krisen ihres Lebens verbunden ist, aber auch, wie die Dichterin subtiler Lyrik zur wortgewaltigen Domin wird, wenn sie sich der männlichen Sprache bemächtigte und „unausrottbare Axiome der Vulgärmedizin“ (- unter anderem André Bretons Ansicht, Frauen seien im Pissduell nicht satisfaktionsfähig -) als unzeitgemäße Versuche abschmetterte, die Frauen herabzuwürdigen.

 

Jahrzehntelange Kämpfe um Gleichberechtigung in Ehe und Beruf hatten das Schicksal Hilde Domins zusätzlich zum erzwungenen Exil bedauernswert schwer gemacht. Und dennoch setzte sie „den Fuß in die Luft und sie trug“. Aus diesem Grunde verwies Marion Tauschwitz auf den unbeirrbaren Optimismus, das Urvertrauen, das sich aus den Gedichten Hilde Domins liest.

 

Tauschwitz‘ spannender Vortrag über weniger bekannte Seiten von Hilde Domins Leben und Schreiben legte eine Fährte zum neuen Verständnis der großen Dichterin. Die aus der Ukraine stammende und in Kiew ausgebildete Musikerin Zhana Popolitova rundete mit drei Stücken am Akkordeon – einer faszinierenden „Ouverture“ von Astor Piazzolla, einer Ommaggio ad Astor Piazzolla von Viktor Subitzkij sowie einer furiosen Musette („Pippi Lotta“) von Michaele Dietl – den temperamentvollen Vortrag ab und man kann sicher sein, dass die Domin an diesen lebendigen, unkonventionellen Musikstücken großen Gefallen gefunden hätte.

 



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